I shot the sheriff, but I didn't shoot the Erdkundelehrer

Aus Schaden wird man klug, sagt man. Daß dies leider immer seltener zutrifft, zeigen uns die jüngsten Beispiele pickelzer- und pommesfressender, zu allem Überfluß dann auch noch beschissen gekleideter Rotzblagen mittleren Alters, die es für total cool halten, mit Sonnenbrille und Pumpgun durch ein Schulgebäude zu stolzieren, hoch erhobenen Hauptes ihre Vorstellung von Freiheit in Amerika zu proklamieren und nebenbei die Gehirne von ein paar Gleichaltrigen durch gekonntes Betätigen des Abzugs, wie millionenmal am Computer trainiert, an der Wand zu verteilen. Yo. So wird das gemacht in Amerika.

Man mag sich nun fragen, sicherlich nicht zu Unrecht, wie es möglich sein kann, daß solche Waffen und Sprengsätze überhaupt in die Hände solch degenerierter Rotznasen gelangen können. Die Antwort ist einfach: Weil es legal ist! Im Gegensatz zu Händchenhaltend-über-die-Straße-gehen. Das ist verboten. In dem Verständnis, daß es das Recht eines jeden Amerikaners ist, eine Mini-Uzi zur "Selbstverteidigung" in der Handtasche zu tragen, eine gekürzte Schrotflinte mit reichlich Verzierungen nebst Strichliste am Metallrahmen und in limitierter Auflage zur Jagd auf den gemeinen Flußbiber zu erwerben oder sein Grundstück gegen fremde Eindringlinge und Kommunisten zu verminen, darf der Konsum auch an dieser Stelle nicht ins Hintertreffen geraten.

Da werden selbstverständlich sofort an andere Stelle Maßnahmen ergriffen, die die Jugend-Kriminalität gekonnt eindämmen sollen: Das Tragen von Trenchcoats ist ab sofort verboten (man könnte ja 'ne Waffe drunter verstecken - wenn, dann tragt sie bitte offen, Kinder!), das Bohren in der Nase ist gesetzlich untersagt, und ein Kuß in der Öffentlichkeit wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren und härter bestraft. Endlich. Überhaupt muß die Strafe für alles, gegen das man verstoßen kann, noch höher ausfallen, zur Abschreckung versteht sich. Und damit war's das dann. Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan. Die Bürgermeister und Senatoren können sich endlich wieder wichtigen Dingen zuwenden: Die Geliebte vögeln und Amerika (als hätten die USA den gesamten Kontinent unter ihrem Hoheitsbereich) vor dem, äh, einem, nämlich dem gerade aktuellen "Reich des Bösen" schützen. Vor allen Dingen aber den Weltfrieden sichern und Menschenrechte in anderen Ländern fordern. Und vor der eigenen Haustür?

Sozialarbeit? Sozial... Sozialistisch... AAARRGH! Nein! Die Kommunisten sind unter uns! Jeder, der Sozialarbeit fordert, gehört sofort deporti..., nein, halt, stop, McCarthy ist ja nicht mehr am Ruder, schade eigentlich, na sagen wir halt "ruhiggestellt". Jugendprogramme? Dafür is kein Geld da! Außerdem gibt's doch schon 231 Programme im Satellitenfernsehen, das muß reichen. Abschaffung von Waffenhandel frei Haus? Wo bleibt denn da die Freiheit?! Waffen töten doch keine Menschen, Menschen töten Menschen. Oraler Sex unter Ehepartnern? So ein Schweinkram! Wo kommen wir denn da hin? Das könnte ja geradezu zu einem lustvollen Leben ausarten, igitt!

Solche Reaktionen finden sich zuhauf. Leider wird sie auch von den "oberen 10.000" in der Gesellschaft der pflichtbewußten und derzeit (dank teurer Anwälte) auch noch nicht vorbestraften Amerikaner vertreten. Der Rest wird wird mit Baseball und Fritten bei Laune gehalten. Und mit 231 Programmen natürlich.

Hin und wieder gibt es da allerdings leider ein paar Störenfriede, die es sich nicht nehmen lassen, die amerikanische Freiheit in vollen Zügen zu genießen und mal eben ein Schulgebäude in eine mit Bildern und Baseballjacken lustig ausstaffierte Leichenhalle zu verwandeln, die sich als Kulisse für einschlägige Horror-Filmchen wie "Samstag der 14. - Der Terror kommt beim Aufwischen" hervorragend eignen würde. Schade nur, daß nach dem Selbstmord der Täter die Presse diesen Fall nicht weiter vermarkten kann - übermorgen ist das alles Schnee von vorgestern. Lebendige Täter könnten wenigstens vor Gericht gefilmt werden; Gedenkgottesdienste geben da auch im Land der Fernsehprediger nicht so viel her. Zumindest bei der Verhängung der Todesstrafe und deren Ausführung ließen sich doch immer noch ein paar Minuten Sendezeit mit Werbung finanzieren.

Tja, aus der Traum vom schönen Geld, ehe er begonnen hat. Die Hinterbliebenen sollen selber sehen, wie sie mit der Ausübung der amerikanischen Freiheit zurechtkommen. Da kommt doch die Forderung nach einem lockeren Waffengesetz gerade recht. Mit dem Motto: "Dann hätten sich die Lehrer mit einer Waffe verteidigen können, um Schlimmeres zu verhindern." wird für Verständnis geworben. Das geht dann solange gut, bis bei einer der dann wohl noch alltäglicheren Schießereien auf dem Schulhof das Dumm-Dumm-Geschoß des Pädagogen die beabsichtigte Zielgruppe knapp verfehlt, um einer zehnjährigen Schülerin die Ohren freizupusten. Aus Notwehr versteht sich. Und der Freiheit wegen.

Daß man für Freiheit mehr investieren muß, als seinen Waffenkeller zwecks Abwehr bettelnder Postboten und anderen niederen Getiers aufzurüsten, klingt für die meisten wohl etwas zu komplex. Verantwortung, dieses Wort läßt die Waffenindustrie bewußt beiseite. Mit Verantwortung lassen sich in dieser Welt keine Kunden mehr gewinnen...

...denn dies ist Schlabonskis Welt.

Diese Seite:
Zugriffe seit dem 27.04.1999

Schlabonskis Welt:
Site Meter
Für Statistik auf den Counter klicken!