Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Singles

In der heutigen Gesellschaft hat ein Wort immer mehr Mode gemacht: Single. Dieses doch recht englische Wort mit einem deutschen Artikel vorneweg erfreut sich in seiner Eigenschaft immer häufigerer Beliebtheit. Leider ist die Frage nach dem richtigen Artikel schwer zu entscheiden. Denn mit "der Single" entsteht sicherlich der Eindruck, daß nur männliche Lebewesen Single sein könnten (was, auch wenn sie zu überwiegen scheinen, schon statistisch falsch sein muß). Mit "die Single" liegt der Vergleich eines weiblichen Lebewesens mit einer alten, kleinen und verkratzten Schallplatte doch sehr nahe. SingleIn scheidet nun völlig aus. "Das Single" hingegen umschreibt den Menschen mit chronischem Samenkoller (männlich) oder wahnhafter Freßsucht (weiblich) am besten.

Das Single trifft man heute eigentlich fast überall an, zumal es ja wohl auch schon bald als chic gilt, keinen (oder zumindest keinen festen, pfui!) Partner zu haben, geschweige denn eine Partnerschaft zu suchen. Was die Filmwelt mit der Darstellung von Schwulen zusammen mit Heterosexuellen zeigt (Heteros sind doof, arrogant, intolerant und absolut konservativ, wenn nicht gar brutal und vor allen Dingen sehen sie sogar Scheiße aus), überträgt sich allmählich auch auf Menschen mit festen Beziehungen. Letzterer Gattung sei selbstverständlich ebenfalls keine Doofheit oder gar Konservativität abgesprochen. Dennoch begegnet das "Nicht-Single" immer wieder Menschen, die mit ihrer Beziehungsarmut aufmerksam machen wollen. Im allgemeinen läßt sich dabei die Gruppe der Singles in drei Kategorien aufteilen:

Unabhängig von der Einordnung auf der Glücklichkeitsskala 
hier ein Bild eines typischen männlichen Singles.  Glücklich 
die Beidhänder!

Das glückliche Single fällt dem Menschen mit dualer Lebensweise (Assoziationen zum Dualen System und ähnlichem Müll sind hier ausnahmsweise unbeabsichtigt, glaub ich) meist durch konsequentes Verzerren der unteren Gesichtshälfte auf. Dies zeigt sich vor allem dann, wenn neben alltäglichem Smalltalk über das Wetter, der Politik oder dem garstigen Marder, der die Bremsschläuche des Autos von der erst kürzlich verunglückten Nachbarin aufgefressen hatte, das Gespräch auf soziale Themen gelenkt wird. Spätestens jedoch, wenn das Thema "Beziehungen" oder gar "Sex!!" kommt, verzieht sich die Visage des glücklichen Singles in eine grinsende Fratze, garniert mit den Worten "Was bin ich froh, daß ich doch solo bin!" oder "Wenn ich Euch sehe, dann will ich keinen festen Partner!". Das Grinsen verfliegt jedoch schnell, wenn das Single nicht mehr im Mittelpunkt steht und mit ansehen muß, wie sich die beiden gegenüber zärtlich aneinanderkuscheln. Bezogen auf ihr "bescheidenes" Ego finden sie selbstverständlich alles gut, was sich mit ihnen beschäftigt: Hobbys, Beruf, Sex... Da aber spätestens Diskussionen über letzteres mit Bekannten, welche Teil einer aktiven und darüber hinaus "funktionierenden" Bindung sind, meistens Brechreize hervorrufen, gesellt sich die Spezies der Singles am liebsten zu ihresgleichen. Wenn das nicht geht, weil sie im eigenen Freundeskreis, wenn nicht gar der eigenen Generation, mit zunehmendem Alter allmählich im Aussterben begriffen ist, folgt unweigerlich der Abstieg in eine der anderen beiden Kategorien.

Das unglückliche Single entspringt zumeist einem geborgenen, umsorgenden Elternhaus, wo man (und vor allem frau) allzusehr darauf bedacht war, den Nachwuchs nach Beendigung der pubertären Pickellastigkeit darauf hinzuweisen, daß es bald mal an der Zeit wäre, die ersten Enkelkinder für die geschundenen Erziehungsberechtigten anzuschaffen, auf daß letztere erstere zu späten, aber dafür um so süßeren Racheakten an deren Eltern anstiften mögen. Unter diesem Druck und der zwanghaften Ambition, den ekelerregend glücklichen Arschlöchern, die sich unverdienterweise schon einen Partner gekrallt haben, zu zeigen, daß man auch was in der Schüssel hat, belabern sie alle möglichen Leute mit ihrer gequirlten Scheiße, nur um auf sich und ihre traurige Existenz aufmerksam zu machen. Je näher die Bekanntschaft oder inniger die Freundschaft zum unglücklichen Single ist, desto suizidgefährdeter sind mittelfristig auch die bedauernswerten Zuhörer dieser Leidenstiraden, welche meist davon handeln, daß das Single entweder "eine geile Schnecke" getroffen hat oder "einem Typ mit knackigem Arsch" begegnet ist. Da sich das unglückliche Single natürlich nicht traut, die genannte Person auch anzusprechen, da diese entweder sowieso eine feste Beziehung haben muß (bei dem Body!) oder irgendwie doch nicht so ganz des Singles Typ ist, steigert sich das Leiden sowohl des Singles als auch der Gesprächspartner ins unermeßliche. Meist stehen männliche unglückliche Singles auf "junge Dinger mit geilen Titten", während sich die weibliche Gattung eher zu älteren verheirateten Männern hingezogen fühlt. Mit fortlaufenden Alter tritt dann doch die Ernüchterung ein, die entweder das Singledasein beendet (auf die eine oder auf die andere Art...) oder die Abwanderung in die dritte Kategorie einläutet.

Das gleichgültige Single ist die gefährlichste Form monotoner Selbstgeißelung. Mit überaus informativen und abwechslungsreichen Einschätzungen des Zeitgeschehens wie "Alles Scheiße!" oder "Mirdochejal!" zieht es innerhalb einer Ortschaft von einer Schluckgrube in die nächste, um den Frust der vergangenen Jahre, vor denen es wenigstens noch gelegentlich angenehm aufzufallen pflegte, in narkotischen Rauschmitteln aller Art zu ertränken. Oftmals nicht Herr (oder Herrin) der eigenen Sinne, versucht sein Unterbewußtsein immer wieder in einem leisen Schrei nach Hilfe, mittels lallender Konversation in Richtung seiner Mitmenschen auch mal Zugänglichkeiten anzudeuten. Leider wird dies meist wieder durch die Tatsache unterbunden, daß der Gesprächspartner zum einem zur gleichen Art Single gehört und zum anderen auch durch exzessiven Drogenkonsum nicht zu vertuschen ist, daß man gerade mit dem falschen Geschlecht redet. Durch den rasanten Wechsel zwischen apathischem Selbstmitleid und großspurigem Herumgeifern, wenn ein mittelprächtiges Hinter- oder anderes einschlägiges Körperteil gesichtet wurde, wird der geschundenen Umwelt nichts erspart. Kein Spruch, der nicht alle zwei Minuten wiederholt werden muß; keine Stunde, in der Wörter, wie "Du Sau", "Scheiße!" oder "Haste nich auch die Tusse mit dem geilen Arsch gesehen? Wie, das is'ne Tunte?!!", nicht fallen. Wenig später fallen dann meist auch die Singles. Unsanft. Auf den Boden vorm Tresen. Bis morgen. The same procedure as every night, James.

Alles in allem ist Singularität eine Eigenschaft, die zwar zu unserer neureichen, modernen und nicht zuletzt verwöhnten Gesellschaft gehört; und diese Gattung auszuschließen, ist wohl nicht der richtige Weg. Sie jedoch auf einen Sockel der reinen Gesellschaftsform zu stellen und mit einer Art Zölibatsgetue andächtig zu ihr aufzublicken, erscheint mir auch etwas übertrieben. Spätestens aber, wenn nur noch Vergewaltigung oder künstliche Befruchtung mit Retortenzellen die Gattung Mensch von der Gefahr des Aussterbens befreien können, ist die Zeit reif, sich mal Gedanken darüber zu machen, für eine lange Zeit in einem Eisfach eingeschlossen durchs All zu reisen auf der Suche nach einer normalen Welt... denn diese ist es nicht.

Diese ist Schlabonskis Welt.


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Erstellt am 15.04.1999
Letzte Änderung am 18.07.2004 16:44 (CEST)
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