Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Kulinarische Ausflüchte: Ganz was Besonderes

Satt werden allein ist nicht genug – 's muß schmecke! Soweit kann ich ja dem allgemein vorherrschenden Anspruchsdenken bezüglich der Nahrungsaufnahme und -auswahl zustimmen. Was ich aber nicht verstehe, sind jene, die dann auch noch Präßtiesch wollen, zur Inn-Kraut gehören, der Hoht Kühisiehn frönen.

Man findet sie in sogenannten Spezialitätenrestohranx, wo die grundlegendsten Annahmen über Essen nicht mehr zutreffen, ähnlich wie Mathe in der Spielbank oder Autotests beim Bentley-Händler. Einige Beispiele:

Stattdessen dauert es länger, die Beschreibung einer Speise auf der Karte zu lesen, und nicht nur wegen der mangelnden Fremdsprachenkenntnis, sondern auch, weil man, von der Schule offenbar auf Irrwege geführt, Wörter wie "Dialog" oder "Schaum" eher im zwischenmenschlichen bzw. chemischen Bereich ansiedelt als im kulinarischen, vor allem aber, weil einem der Kellner hinter der rechten Schulter tierisch auf den Sender geht, weil er schon bei der Wahl des Weines gemerkt hat, was für ahnungslose Dilettanten sich in sein Heiligtum verlaufen haben, als es dauert, sie zu essen.

Lies den Satz einfach nochmal.

Und schätze Dich glücklich. Du hast immerhin schon beim zweiten Anlauf verstanden, worum es geht. Wenn man unter "Dialog von zartem Schweineparfait im Natursaitling und pommes de terre in classischer Stabform, in naturreinem Sojakeimöl gebacken, an einer Sauce aus feinsten Tomaten mit erlesener indischer Geschmacksnote, garniert mit edler creme fraiche und original Tomatenparfait 'New York'" eine ordinäre Currywurst-Pommes rot-weiß verkaufen könnte, welche Chance hat dann der Normalsterbliche, zu erahnen, was die Karte ihm an noch exquisiteren Spezialitäten bietet? Keine. Und vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

Vielleicht will man ja auch gar nicht wissen, was man da gerade mit drei Happen vertilgt hat. Nicht nur, weil's eklig wäre – obwohl die Chance durchaus besteht –, sondern auch, weil sich dreistellige Summen leichter bezahlen, wenn man weiß oder doch zumindest glaubt, das dafür Erhaltene sei was ganz Besonderes gewesen und eben nicht der Inhalt einer Hawesta-Dose oder Iglo-Tiefkühlpackung.

Schließlich ist die Hauptsache ja auch nicht das Satt-, sondern das Gesehen-Werden. Guten Appetit.

Seinen Blick angewidert abwendend grüßt, mit einem leckeren Döner (ohne Zaziki, extra Zwiebeln, extra scharf) in der einen Hand und einer eiskalten Coladose in der anderen für zusammen keine 5 Euro vom Türken an der Ecke:

Euer Dieter Schlabonski.


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Erstellt am 22.05.2002
Letzte Änderung am 24.07.2004 12:59 (CEST)
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