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Deutschland sucht den Superschtarr

Wer exhibitionistisch veranlagt und musikalisch verdorben ist, zudem lange Zeit debil genug in die Kamera grinsen kann, der ist hundertprozentig richtig bei "Deutschland sucht den Superstau"... oder so ähnlich. Nicht daß auch ein gewisser Eigennutz dazu führt, daß viele naive deutsche Tienäidscher zu gefährlichen Sangeseinlagen vor laufender Kamera bereits sind. Ruhm, Reichtum und die geilmachende Arroganz sind der wahre Kick für jeden Teilnehmer dieses Wettbewerbs. Das aber eigentlich geile daran ist die Kritik nach dem Moment der Sebstdarstellung...

Während sich die sogenannte Jury die Kandidaten zur "Wörst-Off-Sendung" herauspickt ahnen die dummen Dinger im Aufnahmestudio noch nicht, was sich hinter dem freundlichen "Danke, der Nächste bitte!" verbirgt. Vermutlich waren sie wohl auch nicht skeptisch, als sie ihre Rechte per Vertrag an die Medienfirma abtreten mussten... Schließlich muss man sichergehen. Dem Kommerz der Plattenfirma darf kein Grünschnabel im Wege stehen. "Wir spielen hier die Musik!!" Und das bis zum bitteren Ende... Die armen untalentierten Würstchen werden später ordentlich durch den Kakao gezogen, die vermeintlich selbst ins Spiel gebrachten Kandidaten mit viel Lob und Bauchpinselei in die Tschaarts gelobt. Soviel zur Vorbereitung.

Kaum haben sich die besten Folterinstrumente ohne Scham und Stimme bis zur ersten Folge von "Deutschland raucht das Supergras" hochgejault, nimmt der Schrecken auch schon kontinuierlich seinen Lauf. Wer zu Anfang noch glauben mag: "Ok, jetzt sind es nicht mehr ganz so viele..", wird hochgeschreckt, wenn trotz telefonischen Weglobens der Debütanten die Lieder dafür länger, öfter und grausamer an die ausgewählten Zuschauer geworfen werden. Die Menge tobt im Saal – ob nun vor Begeisterung oder in Panik vermag niemand genau zu erkennen...

Als Fernsehzuschauer versucht man zumindest der Geißel der Unterhaltung durch Ersticken unter dem Sofakissen zu entrinnen. Zwecklos. Die Finger verkrampfen. Die Ohren zittern und das Trommelfell platzt unter dem sich aufgestautem Druck der Sarah Connor-Gedächtnis-Imitationseinlage. Jetzt gibt es keine Gnade mehr ...

Nebenbei glaubt man sich bei Werbung und Reportagen über die Mitstreiter ein wenig regenrieren zu können. Eine krasse Fehleinschätzung offenbart die grausame Wahrheit über die Lage der Nation: Die Kandidaten können nicht Skifahren, irgend jemand versucht sich bei gemeinsamer Sylvesterfeier im Gängsterräp und alle finden es toll – nicht den Gängsterräpp sondern vor der Kamera entspannt und lustig zu sein... zu tun...

Als wäre das nicht genug, gibt es bei "Deutschland knallt das Supergörl" auch noch die Jury, die als die verirrten Geschmacksapostel des deutschen Pops auf dem roten Sofa die Zukunft ihrer Schößlinge voraussagen: "Ich weiß, das kannst Du besser!" oder "Du hast eine lustige Kermitstimme!". Ok, er...sie...es klingt wirklich wie ein zu früh geschnittener Eunuch unter der Streckbank. Aber ist das bitte schön alles?

Ich sage immer: "Singen kann jeder, nur einige wollen es nicht verbergen". Und so wird der vermeintliche Delinquent aus "Deutschland bucht den Super-GAU", oder wie diese vergammelte Missgeburt auch immer heißt, von der Plattenfirma bis zum letzten Cent ausgewertet, bis selbst der letzte Funken Anstand und Würde aus seinem Körper herausgequetscht wurde. Tja, wer nicht hören will,...

Mich tangiert das zum Glück nicht mehr. Ich suche mein Glück bei der Karaokeshow in der hiesigen, berüchtigten Bahnhofskneipe. Mein Kumpel Heinz ist heute an der Reihe mit der Einlage seines neuen Songs. Ich bin gespannt...

Anneliese, ach Anneliese,
warrum bischt Du böse auf miesch?! *taromm-taromm-taromm*
Anneliese, ach Anneliese, *schlick-schlack*
du weischt doch, isch liebe nur disch! *WUMM!**Splat!*

...wie ein Flitzebogen. Dankbar und erleichtert grüßt Euch

Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 16.01.2003.

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