Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Synchronicity

Da sitzt man so am Samstag abend völlig entnervt vor der Glotze, ärgert sich über die vielen Euro, die man den GEZ-Eintreibern in die Poperze geschoben hat, da fällt einem doch tatsächlich ein Film ins Auge, den man schon vor langer Zeit mal gesehen und gut in Erinnerung hatte:

18 Stunden bis zur Ewigkeit. Ok. Hört man nur den Titel, denkt man sich, das muß so ein s/w-Western von anno 1936 sein, bei dem die eine Hälfte der Schauspieler längst tot ist und die andere im Altersheim von dem schon immer selbst angekündigten Comeback wimmert. Doch nix da!

Um ein Schiff mit sieben Bomben geht es hier. Und um so namhafte Stars, wie Richard "Caesar" Harris, "Dr. S." Omar L. Sharif, Ian "Bilbo" Holm und Anthony "Lector-"Hopkins. Na dann mal los...

Wie schade nur, daß man sich den Film nicht in Englisch, sondern im deutschen Original ansehen muß. Da wird aus einer Kamerafahrt, bei der zwei Polizisten zu ihrem Auto oder in die Schwulenbar gehen, ein Gespräch von Bauchrednern mit dem Sinngehalt einer Unterhaltung zweier Scheißhausfliegen gemacht. Wozu nur? Um den Zuschauer nicht zu langweilen? Vielleicht befürchten die Macher solchen sinnentleerten Geschwafels, daß mit jeder Minute des Schweigens das Hirn an Größe schrumpft, ähnlich wie ein Magen, wenn er nichts zu beißen bekommt. Oder es liegt einfach daran, daß, wer nix sagt, auch nix zu melden hat bei Film und Theater, wo das Gewicht einer Rolle schon immer in Textzeilen gemessen wird. Tja, Drehbuchautoren kennen halt richtige Arbeit nicht.

Man weiß es nicht. Aber für den, der immer noch nicht weiß, worüber ich mich aufrege, nur ein kleines Beispiel: Da übergibt so'n schaseliger Statist von Postmensch am Bahnhof zwei Polizisten zwei Koffer. Anstatt dabei gesittet die Fresse zu halten wie sich das für Postbeamten hinter dem Schalter eigentlich gehört, wird so ein armer Obdachloser per ABM unter der Oker-Brücke gewaltsam hervorgezerrt, um folgenden Satz ins Mikro zu sabbern: "Passen Sie schön drauf auf. Das sind richtig gute Stücke." Tusch.

Ähnliche Dialoge finden sich aber auch in anderen Filmen: Bud Spencer und Terence Hill-Filme sind ein Garant dafür. Solange man die Köpfe von hinten sieht, können die eine Scheiße aus dem Hirn labern, daß man sich Ohrenlider wünscht; sind die Gesichter zu sehen, schweigen sie bis auf das allübliche Winseln kurz vor Aufschlag der Faust auf den fetthaarbenetzten Schädel. Mahlzeit.

Man mag der Ansicht sein, diese Filme haben es nicht besser verdient. Aber da gibt es auch andere Filme, die die Geduld deutscher Zuschauer auf die harte Probe stellen.

Schtartreck III war so ein Paradebeispiel für die Lustlosigkeit deutscher Synchronregisseure. Da werden klingonische Sätze einfach ins deutsche übersetzt und kein Arsch menschlichen Aussehens versteht das Geschwafel. "Hier ist niemand – doch der Computer erzählt irgendwas" "Lass mich das mal hören" "FÜNF-VIER-..." "Oh toll, die S-pärripps sind gleich durch" *Schmatz*

Gerade Fernsehserien scheinen am ehesten von den Inquisitoren des Rings der Tonbandfreunde verunstaltet worden zu sein. Nur so ist es zu erklären, daß die eher, nunja, *räusper*, "mäßige" englische Serie "Die Zwei" mit Roger Moore und Tony Curtis, bei der der fliegenanziehende Dialogstil in Deutschland die Gebeutelten vor den Fernseher zwang, in England schon vor 35 Jahren dankenswerterweise abgesetzt wurde.

Mittlerweile scheint man sich einen modernen Stil aufzuzwingen. Leider schon seit zwanzig Jahren – aber wenn man es nicht so gut kann... Da werden englische Titel einfach übernommen, wenn man kein Bock hatte, sie zu übersetzen, oder man gibt Ihnen andere böse klingenden Namen, nur um auf eine Dramatik aufmerksam zu machen, die es im Film aber gar nicht gibt. Oder man übersetzt zwar, aber falsch: So wird aus "Gone in 60 Seconds", einem Film über Autodiebstahl mit durchaus nicht sinnleerem Titel, das hirnlose "Nur noch 60 Sekunden". Vor dem Remäihk war's aber auch nicht besser, da hieß das Teil auf deutsch "Die Blechpiraten". Applaus, Applaus, Applaus!

Doof ist es auch, wenn Übersetzer nicht wissen, was sie da übersetzen. Ein Paradebeispiel stammt aus Schwarzeneggers Mars-Alptraum "Die totale Erinnerung": Böser Mensch hantiert mit Ortungsgerät rum und schreit begeistert: "Wir haben ein Schloß!" Ein WAAAS? Kurzes Nachdenken, dann hat man's raus: "We have a lock", schade nur, daß das eher "Ziel erfaßt" oder sowas in der Art bedeutet. Vielleicht übersetzt das ja mal einer rück: "We got a castle!"

Alles in allem sind zersynchronisierte Filme also eine prima Verarsche für alle Zuschauer, die vor lauter Selbstgeißelung gar nicht mehr wissen, was sie sich den ganzen Tag antun. In diesem Sinne: "Hey macht schneller Leute! Paßt doch auf – Entschuldigung – Jaja!"

  Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 23.01.2002.

Schlabonskis Welt:
Site Meter
Für Statistik auf den Counter klicken!