Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Tierlieb

Die Dogge, die genüßlich neben Herrchens Fuß auf den Gehweg scheißt, die Mietshausmülltonne, die am Ende jeder Woche zu 80% ihres Gesamtvolumens mit den gebrauchten Katzenstreuklumpen der senilen Nachbarin überfüllt ist und der plötzliche Kindstod nach der freundlichen Pythonumarmung bringen uns selbst vom tristen Alltagsleben einer norddeutschen Großstadt zur Rasch-Aua immer wieder mal ein Stück näher zur Natur.

Mit ihr eins sein, sie voll erleben und die ganze Energie in sich aufnehmen, welche sich beispielsweise von erkaltenden, ausgewürgten Katzenhaarklumpen in die Umwelt verströmt. Herrlich... oder auch nicht.

Die meisten Tierbesitzer verstehen es gottlob, den kleinen Mitbewohner mit dem sich mehr oder weniger freiwillig angeeigneten Lebensraum so zu nehmen, wie er... es ist. Nämlich nervig, lästig, verfressen und ziemlich inventarzerstörend. Wer damit umzugehen weiß, ist dem Tier schon mal einen entscheidenen Schritt voraus.

Hoffnungslos zeigen sich aber die Fälle der besonderen Tierliebe: Da werden frisierte Pudel zur kalten Jahreszeit in einen dicken Baumwollpullover gepreßt, Katzen mit neckischen Zöpfchen verunstaltet und Vögeln Schnabel und Flügel "veredlet", damit sie ihrem Herr- oder Dämchen womöglich am ehesten nahe kommen (oder dessen Geschmack? Wer weiß das schon...). In Tiershows werden dann die verstümmelten Überreste der Öffentlichkeit als "edle" Züchtung angeprangert und lobgepreist, nicht ohne sie oder den bedauernswerten Nachwuchs für reichlich Tacken anzupreisen. Bravo.

Manche Leute scheinen auch zu glauben, daß Lebewesen mit vier statt zwei Fortbewegungsstelzen nicht von alleine laufen können, sondern unbedingt getragen werden müssen, oder daß die Hauptnahrung der Viecher nur aus Kuchen, Keksen oder kleinen Kindern zu bestehen hat. Den Tier(-nahrungs)konservisten scheint es dadurch aber nicht schlechter zu gehen. Im Gegenteil: Dank dem dämlichen Verhalten so mancher Zweibeiner gibt es nicht umsonst, sondern im Gegentum arschteuer den Hundekuchen, die honiggetränkten Futterstangen oder das allseits begehrte Fischmehl, von hochwertigen Schlachtabfällen und dem Autputt der örtlichen Tierkadaververwertungsanlage mal ganz zu schweigen. Immerhin: hier funktioniert Rißaikling noch: aus alten, verbrauchten Tieren werden wieder neue, frische Tiere! Toll.

Und bei jenen, denen das Tier als Ersatz für die gottseidank ungezeugt gebliebenen Kinder dient, wächst die Liebe zu selbigem proportional zum verlorengeglaubten Elterninstinkt ins Unermeßliche. Sabberlätzchen und Babywindeln dräuen vom sozialen Untergang; angefallene Radfahrer werden ignoriert, weil die Bestie ja schnellstens zum Tierarzt muß; und im Extremfall wird angehörs eines kläglichen Tölenrülpsers vom Rücksitz bei der darauf folgenden Überprüfung der Lebensfunktionen des Viechs die Kontrolle über das eigene Fahrzeug verloren und ganze Wandergruppen niedergemäht. Warum auch nicht? Da muß man eben Prioritäten setzen.

Fast kann man jenen Menschen verstehen, der in den USA laut einschlägiger Meldungen der Regenbogenpresse nach einem welpeninduzierten Auffahrunfall den degenerierten Miniaturwolf aus dem auf das eigene aufgefahrenen Auto sich griff und gezielt unter einen Vierzigtonner warf, der gerade im Gegenverkehr herannahte. Bezeichnend allerdings, daß daraufhin alle Gutmenschen in den Tierschutzvereinen einen sechsstelligen Dollarbetrag zusammensammelten und zur Ergreifung des Täters aussetzten. So ein fieser, gemeiner Tiermörder! Da muß man doch einfach was unternehmen! Die anderen paar Dutzend Mörder, die's in den United States of Neandertal täglich gibt, spielen da keine Rolle mehr. Und die paar Dutzend Millionen Schlachttiere auch nicht, obwohl die vermutlich mehr leiden als die plattgefahrene Töle, deren letzte Sekunden ja aus Grabsch, Jaul, Bonk, Splat bestanden – was irgendwie "humaner" wirkt als das tagelange Umherkarren von Mastschweinen auf der Suche nach dem billigsten Schlachthof.

Und wie denkt nun das Getier über die Problematik? Nun, mit der Sicherheit, es stets warm und gemütlich, aber sterbenslangweilig beim Menschen zu haben, sucht es sich so nette Beschäftigungen wie die Inneneinrichtung von Wohnung oder Kraftfahrzeug zu destrukturieren, im Vorbeifliegen aufs Seidenhemd zu kacken oder im Auto bei voller Fahrt seinem Herrchen den Sack abzubeißen. Man muß die Viecher aber auch verstehen: so ein Hundeleben möchte man seinem schlimmsten Feind nicht zumuten. Immer schön unterwürfig Herrchen ansabbern und immer an dieselben Hausecken scheißen, kein Wunder, daß die Viecher rammdösig werden und irgendwann Florian statt Frolic verputzen.

Bei diesem Thema scheiden sich seit kurzem sogar die Geister dieses Landes. Bei der Frage, ob Bullterrier verboten werden sollen oder nicht, werden ganz große Kaliber aufgezogen. Dabei weiß man doch spätestens seit Trainspotting, wie man mit einem solchen Hund auch eine Menge Spaß haben kann.

Ob ein Existenzverbot von wandelnen, potentiellen Parfüm- und Medikamententestvorrichtungen wirklich eine Lösung gegen das Fehlverhalten so mancher degenerierter Unzüchtiger ist, bleibe mal so in den luftleeren Raum gestellt. Bei der bösen Elfenbeinplage in Afrika oder der Potenzmittelseuche in Fernost haben sich Massentiervernichtungen ja fast schon begründen lassen. Aber was will man aus so einem Terrier rausholen? Soviel Hirn hat das Tier nun auch nicht, daß man es als Bregenwurst mit vier Beinen verscherbeln könnte. Aber vielleicht zusammen mit dem Besitzer? Weniger Bregen als in den üblichen Konserven kann da kaum drin sein, immerhin kann er ja atmen und "Faß!" rufen, da braucht's schon ein paar Gramm Hirnmasse für.

Spätestens jetzt werden wahrscheinlich so einige militante Tierschützer oder -besitzer mit Schlauchboot, Briefbombe oder gar ihren Plagen vor meiner Haustür warten. Aber das ist mir jetzt auch egal: seitdem ich zwei trommelfellzerspringendkreischende Wellensittiche mein eigen nennen kann, kann mich keine kohlenstoffbasierte Lebensform mehr ernstlich schockieren. Hoffe ich.

Bloß die Menschen schaffen's irgendwie immer wieder.

  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 10.06.2000.

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