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Kulinarische Ausflüchte: "Wir geben Ihnen unser Bestes!"

So steht es jedenfalls auf einer urinsteingelben, flachen und trotzdem aber auch noch eingedrückten Pappschachtel geschrieben. Das beste von was? Nun ja, der mitleidige bis angewiderte Blick beisitzender Mitesser, die wieder mal nur Salat bestellt haben, läßt erahnen, wie gut das Beste besser zu betiteln wäre. Der kreisrunde, durchsiffende Fettfleck auf dem Deckel scheint davon bereits eine Geschichte erzählen zu wollen. Ob er mir "Guten Appetit" wünschen möchte?

Ich öffne vorsichtig den Deckel und schaue in den breiter werdenen dunklen Schlitz hinein, der nichts Gutes ahnen läßt. Der Deckel wehrt sich. Ein kalt und halb hart gewordener Klumpen Käses versucht nach allen Kräften, mir den Blick auf das mir eben erworbene Verzehrgut zu verwehren. Das letzte bißchen lauwarme Luft flüchtet gerade noch rechtzeitig vor den sich vermehrenden Bakterien in der Teigauflage.

Mit geballter Kraft siege ich gegenüber den widerspenstigen Tentakeln des Käsemonsters. Eine nähere Betrachtung des Klumpens zeigt die exakte Größe und Maserung des Salatnapfbodens an. Wie lange er wohl vollbeladem auf dem Pappdeckel meines Mittagessens verblieb, läßt sich nur erahnen. Es kann sich nur um Stunden handeln.

Frutti Di Mare sollte es sein. "Meeresfrüchte..." Soso. klingt ja fast wie der Garten eines Kraken. Aber mehr erinnert dieses Sammelsorium aus Fischaugen, Fühlern und gequält zusammengekrümmten Krabbenresten an die verschmähten Tischreste einer verwöhnten Scheißhausfliege.

Mit ignorant-schmatzendem Schlurfen versucht der Belag meine Schneidebewegungen zu boykottieren. Endlich: nach nur fünf Minuten habe ich mich durch die klumpige Masse durchgearbeitet. Der Durchbruch ist geschafft. Jetzt heißt es reinstopfen und kauen. Das bedingt aber, daß man die Zähne nach dem ersten Zubeißen auch wieder auseinanderbekommt.

An dieser Stelle: sei froh, geschätzter Leser, daß Du kein Hörer bist. Sonst hätte der letzte Satz so geklungen: Daff bedimmt ama, daff mam die Tfähme nasch dm erftm Tfubeiffm ausch mwida aufmammbabekommpf.

Dieses ungewollte Schmatzen ähnelt dem beim Schneiden, und die Fühler der kleinen, hoffentlich auch wirklich toten Tiere kitzeln mein Backenfleisch. Kurz noch ein heuchelndes Lächeln den entsetzten Tischnachbarn entgegengeworfen und die Mahlzeit kann beginnen - wo sie auch schon wieder aufhört. Die Geschmacksnerven haben trotz versuchter Umgehung derselben Kontakt mit dem zukünftigen Mageninhalt aufgenommen. Jetzt schnell schlucken. Bevor es noch schlimmer wird.

Mit einem lauten Würgen wandert ein gewaltiger kalter, halbzerkauter, großer, käsetierkanaldurchzogener Teigklumpen durch meine geplagte Speiseröhre. Das Auftreffen beim Magen klingt wie ein berstendes Stöhnen eines absaufenden U-Bootes kurz vor Bodenkontakt.

Endlich. Doch jetzt beginnt der wahre Kampf erst. Die restlichen erkalteten Klumpen müssen jetzt schnell nachgeschoben werden, bevor der Magen seine Lage erkennt und den Rückwärtsgang einlegt.

Nach wenigen Minuten ist alles vorbei. Die Nachbarn haben panikartig den Essensraum verlassen. Der Magen hat keine Kraft mehr, die schweren Klumpen weiter nach oben zu drücken und gibt aufgebend die Verantwortung dem Darm weiter, der gallespuckend die Reste verwertet.

Ein Schluck warme Cola soll dem Ganzen die Krone aufsetzen - Das Sahnehäubchen sozusagen. Gewonnen - gegen den eigenen Magen. Doch der Körper wird sich eines Tages rächen. Dann wenn man es am wenigsten erwartet.

"Wir geben Ihnen unser Bestes". Das mag sein. Aber ist es auch gut genug? Und was noch viel wichtiger ist: Wollt Ihr es nicht vielleicht doch lieber wiederhaben?

Viel Spaß beim Eimer holen wünscht jedenfalls

Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 31.07.2002.

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