Veeer-versichert, Vaugehhaah!

Wer nicht sicher ist, der ist versichert. Und wer nicht sicher ist, daß er richtig versichert ist, ist möglicherweise verversichert, so wie ich bis neulich.

Objekt der Debatte war der schon mehrfach erwähnte verranzte Mittelklassewagen älteren Semesters, bei der Vaugehhaah haftpflichtversichert und, weil's billich war, auch ohne Selbstbeteiligung teilkaskoverversichert. Und wie das Leben so spielt, geriet er eines Tags in eine ihm ungewohnte Situation: er avancierte zum Objekt der Begierde, leider nur dunkler Gesellen, die ihn stehlen, leerräumen oder vielleicht auch nur an den nächsten Baum setzen wollten.

Die Jungs waren dann aber entweder zu doof, die Tür zu öffnen, oder von der Alarmanlage verschreckt, jedenfalls hinterließen sie das ansonsten komplette Fahrzeug nur mit einem eingeschlagenen Dreiecksfenster in der hinteren rechten Tür, sonst aber abgesehen von leichten Wasserschäden unversehrt. Flugs suchte ich eine Vertragswerkstatt auf, wo ich erstaunt vernahm, die Reparatur koste ca. 300 bis 350 Mark. Davon fast 50 Mark für Teile. Schönen Dank auch.

Daraufhin kam es zu folgendem, auszugsweise wiedergegebenen Gespräch mit meinem Versicherungsvertreter:

Ich: "...und die Werkstatt sagt, das kostet etwa 300 Mark..."

Er: "Zahlen wir, aber nur gegen Rechnung."

Ich: "Moment, ich hab ne bessere Idee: die Tür ist eh nicht mehr so toll, da würd ich gern ne unverbeulte drin haben. Kostet auf'm Schrott 90 Mark, billiger, gut was?"

Er: "Zahlen wir nicht."

Ich: "Wie, zahlen Sie nicht?" ... blah ... "Schadenminderungspflicht" ... fasel ...

Er: "Zahlen wir nicht."

Ich: ... schäum ... aufreg ... "soll ich die Tür jetzt reparieren lassen, um sie dann in den Schrott zu schmeißen?" ... ausflipp ...

Er: "Zahlen wir nicht."

Ich: "Na wenn Sie meinen" ... türzuschlag!

Tja, und so kam's, daß die Vaugehhaah mich als Kunden verlor. Das ist ihr vermutlich völlig schnuppe, aber der Nachwelt dokumentieren wollte ich's schon.

Das Problem ist aber, daß gerade in der Automobilversicherung der galoppierende Schwachsinn bei allen Anbietern grassiert. Gut, daß man mehr zahlt, wenn man öfter mal was krummfährt, ist einzusehen - aber daß auch ein 300-Mark-Schaden, heutzutage wohl die Untergrenze des Machbaren, jahrelang höhere Prämienrechnungen nach sich zieht, ist einfach hirnrissig. Natürlich ist das gewollt, denn wenn der Kunde ausrechnen könnte, ob sich's lohnt, die Kohle selber abzulatzen, um den Rabatt zu retten, verdiente man ja weniger. Denn jede diesbezügliche Fehlentscheidung ist bares Geld für die Gesellschaft.

Effektiv bin ich so gegen Schäden unter ein paar tausend Mark nicht versichert: entweder zahl ich sie jetzt bar Kralle oder im Lauf der Jahre per Bankeinzug.

Und da ich kein verheirateter, kinderreicher Beamter mit Nebenerwerbslandwirtschaft, Garage und Neuwagen bin, der weniger als dreitausend Kilometer im Jahr fährt und keinen anderen ans Steuer läßt, gehen mir auch ein Berg anderer Rabatte durch die Lappen, deren Sinn mir auch noch keiner erklären konnte. Genausowenig wie die Tatsache, daß ein Diesel mehr kostet als ein Benziner oder ein VW-Kastenwagen mehr als ein VW-Bus - wenn das an der Jahresfahrleistung liegt, wozu dann die Wenigfahrerrabatte?

Und die ach so hochgelobte Lockerung der Vorschriften im Versicherungswesen hat auch nichts gebracht außer weiteren sinnlosen Rabatten. Bald kommen sie, die Rabatte für Eurokennzeichen, Drehzahlmesser und Sitzheizung, für eigenen Wäschetrockner, gepflasterte Hofeinfahrt und naiv bemaltes Garagentor, für Müsliesser, Focusabonnenten und sexuell Enthaltsame.

Kann man sich eigentlich gegen Versicherungsgesellschaften versichern?

Hallo Herr Kaiser, willkommen in Schlabonskis Welt! Augen zu, still halten bitte... "OOF!" Oh tschulldingung, muß abgerutscht sein, tut Ihr Magen doll weh? Eigentlich sollte das ein Tritt in die Nüsse werden.

Schönen Tag noch.

Diese Seite:
Zugriffe seit dem 25.05.1999

Schlabonskis Welt:
Site Meter
Für Statistik auf den Counter klicken!