Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Die Qual der Wahl

Will man den maroden US-amerikanischen Staatshaushalt adäquat mit eigenen Mitteln wie Verfassung und Gerichten und hirnamputierten Fähnchenschwenkern in den Boden treiben, so muß man lediglich zwei Dinge tun:

  1. Man wandert nach Amerika aus und tut so, als würde man dazugehören.
  2. Man suche sich 'nen guten Kumpel, tarnt ihn als vermeintlichen Widersacher und stürze sich gemeinsam mit Attacke in den Präsidentschafts-Wahlkrampf.

Um die Minderheit, also den potentiellen Wähler, gekonnt zu verwirren, werden Hemd nebst kolumbianischroter Krawatte im gleichen Nobelgeschäft geklauft, und der Gesichtschirug übernimmt die schier unmöglich scheinende Annäherung beider Hauptkandidaten an eine identische Gesichtsverteilung mit der aufgeweichten Fröhlichkeit eines Mon Chérie im Popo des Stundenhotelbesitzers.

Und auch den hartgesottenenensten Kaputten, die es sich einfach nicht nehmen lassen wollen, einen noch so schleimig-triefenden Kandidaten zum Staatsoberhaupt zu katapultieren, wird mit diversen Pressemitteilungen, Politsendungen und rotzdämlichen Tohkschohs der Bregen mürbe gemacht. Präsident soll schließlich nicht der werden, der das beste Programm hat, sondern derjenige, von dem die meisten behaupten würden, daß man ihn sich als tollen Schwiegervater oder Betthupferl vorstellen könne. Das Programm beschränkt sich ohnehin auf die intensive Fortführung der Todesstrafe und noch freieren Waffenhandel mit Jugendlichen unter 13 Jahren, gepaart mit strikter Bestrafung von Abtreibung, denn schließlich achtet man ja das Leben.

Gemeinsam treffen sich ein paar Wochen vor dem eigentlichen Debakel Senatoren, Widersacher und überbezahlte Wahlberater in einem geheimen, dafür aber noblen Restaurant, um auf Staatskosten den Wahlzettel mit Füller auf einer gebrauchten Serviette zu dissainen. Als Kopiervorlage versteht sich, denn gefaxt werden muß der Wisch ja schließlich auch noch.

Am Tag der Wahl, wenn dann schwitzende, dohnattmampfende Wahlhelfer darauf achten, daß alle drei, vier, oder laß es meinetwegen fünf Wähler sein, sich nicht um die raren Zettel prügeln, auf dem theoretisch eh nur das Kreuz bei einer Person gemacht werden kann, denn die Namen der anderen Kandidaten wurden durch das Logo des Restaurants und diversen Soßenflecken bis zur Unkenntlichkeit überdeckt, hat das debile Schauspiel seinen ersten Höhepunkt.

Nach Abgabe der von leeren Kugelschreibern eh schon fast zerissenen Zettel werden die Kreuze nochmal gewissenhaft auf politsche Gesinnung kontrolliert und ggf. für ungültig erklärt. Dennoch schaffen es irgendwie die Wahlzettelzerschredderer mit der eingebauten Ssaiäntologschie-Zählroutine nicht ganz zu verbergen, daß einige arme Trottel mit diesem lächerlichen Glauben an Freiheit und Demokratie sich für den Falschen entschieden haben.

Hier schlägt nun die Stunde der modernden Technologie. Bemooste Hollerith-Zählmaschinen aus den Kindertagen wenn nicht der United States of Neandertal, dann doch zumindest der maschinellen Datenverarbeitung machen sich über die Stapel dilettantisch gestanzter Lochkarten her und verwandeln sie mit fröhlichem Rasseln in bunte Konfetti, die dann für die Parade am nächsten 4. Juli eingelagert werden.

Sodann rücken die gewählten, bestimmten und gezwungenen Walfänger ääähh... -männer auf den Plan. Mit der sicheren Effizienz, daß die nun wirklich genau das wählen, was die Trottel von oben eben nicht wollen, erreicht man wenigstens noch eine knappe Pattsituation, die den bis jetzt schon rekordverdächtig überteuerten Wahlkrampf noch weiter forcieren wird. Denn in der Hoffnung, endlich mal so richtig verbal mit Scheiße schmeißen zu dürfen, werden die teuren Anwälte aus den Betten der Kandidatenfrauen gerissen – wer soll es schließlich sonst auf sich nehmen, die Gerichte mit Klagen, Gegenklagen, Unterlassungsklagen gegen Gegenklagen regelrecht zu bombardieren, so daß das richtige Wahlergebnis geschickt verschleiert werden kann und eher zur Nebensache wird?

Unterdessen annulliert alle Welt die eiligst losgeschickten Glückwunschtelegramme: "Wir freuen uns auf gute Zusammenarbeit... äh... ups... Sie sind's gar nicht? Dann betrachten Sie dieses Telegramm bitte als nicht gesendet, Sie elender Erbschleicher. Wissen Sie zufällig die Faxnummer Ihres Kontrahenten?"

Ja, wer hat denn nun gewonnen? Das entscheiden, wie alles im Land der Freiheit, die Gerichte. Beziehungsweise genaugenommen die Anwälte, denn im Dschungel der Verordnungen, Gesetze und Kommentare kennt sich doch kein Richter noch aus, will er nicht, daß sein Golfspiel leidet. Da muß man schon Prioritäten setzen. Und die Anwälte tun dann auch brav was für ihr Geld. Irgendwie muß man ja fünfzig Prozent der Weltbevölkerung an Rechtsverdrehern bei Lohn und Brot halten, da sind die paar Morde pro Tag und Einwohner einfach nicht genug, und man kann ja nicht ewig nur Großunternehmen mit Kartell- und Schmerzensgeldprozessen von der Börse klagen.

Fast würden sie es auch schaffen, wenn die Frist nicht nach kurzer Zeit ablaufen würde, Richter und andere sich dafür zuständig fühlende Entscheidungsträger eher für den anderen Kandidaten halten zu müssen glauben und letztendlich sowieso alles von den wichtigsten 400 der Bevölkerung bereits alles so im voraus geplant wurde.

Tja, Sieger wird nun mal nicht der mit den meisten Stimmen, das wäre schließlich gerecht und somit langweilig. Sieger wird nur der mit dem besseren Gespür, in einer Krise die richtigen Schalter zu betätigen...

Dafür drücken wir Georg Doppel-U. Busch, seiner Gattin Käthe und Uroppa Wilhelm alle unsere Daumen.

Fest aufs Knöpfchen...

Meint jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski, President of the United Rohrbruch in Nordamerika (URIN)

Erstellt am 15.12.2000. Letzte Änderung am 31.01.2001.

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