Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Was trudelTT denn da?

In bester Tradition großer deutscher Sportwagenhersteller hat also auch Audi unlängst ein im Grenzbereich subtrivial beherrschbares Automobil auf die Räder gestellt. Prompt haben es dann auch die ersten GTI-Aufsteiger geschafft, das Vehikel ins Trudeln zu bringen und sich in elegantem Flug in die nächste Leitplanke zu verabschieden, und wie bei derartigen Manövern zu erwarten sind auch bereits die ersten Todesopfer wenn auch vielleicht nicht ernstlich zu beklagen, so doch zu verzeichnen.

Die Konsequenzen tragen erstmals hierzulande schon fast amerikanisch bizarre Züge. Wie in dem Land, in dem jeder Hersteller auf jedem Produkt vor jeder Selbstverständlichkeit warnen muß, will er nicht mit millardenschweren Produkthaftungsprozessen überzogen werden, so winseln auch hier die armen Schweine mit der gnadenlosen Selbstüberschätzung was von "unsicheres Produkt", als sei es ein Menschenrecht, jede Kurve mit jeder Gaspedalstellung unfallfrei durchfahren zu können. Daß das nicht so ist, wissen wir doch schon seit den Zeiten des Käfer Standard – wieso soll das mit der neunfachen Leistung bei ähnlicher Karosserieform und damit ähnlichen Auftriebswerten auf einmal gehen?

Irgendwann verklagen sie noch mal BMW, weil die im Gegensatz zu Mercedes keinen "Bremsassistenten" haben und der homo automobilis von heute die Vollbremsung schon lange verlernt hat – "warum soll ich da voll drauftreten? Die Technologie ist verfügbar, also ist BMW schuld an meinem Unfall, weil sie sie nicht eingesetzt haben." Nicht kopfschütteln – bei Audi und EPS ist es doch gerade exakt dieselbe Argumentation.

Die Richtung, in die die Autoindustrie trudelt, ist dieselbe wie das Ziel der TTs: die Leitplanke. Immer schneller, immer sicherer und immer mehr Entscheidungen vom Fahrer ins Fahrzeug verlagern mit dem Effekt, daß der Fahrer sich drauf verläßt. Die ersten Autos mit ABS genossen Versicherungsrabatte – bis sich herausstellte, daß sie öfter verunfallten, nicht seltener. Der fahrende Mensch betreibt aktive Risikokompensation, leider aber in die falsche Richtung.

Da fragt Dich dann so 'ne Bosch-Werbeanzeige, ob Du gleichzeitig hinten rechts stark bremsen, vorne links leicht bremsen und hinten links leicht beschleunigen kannst. Nein – aber Du kannst vor der Kurve vom Gas gehen! Wenn die Elektronik es erlaubt, näher am Limit zu fahren, dann wird eben näher am Limit gefahren. Und wenn dann was Unerwartetes passiert, wird der Einschlag aller Helferlein zum Trotz wahrscheinlicher - und heftiger.

Bald schon werden die angeblichen Unfallursachen Dinge wie ESP-Sensorversagen, Softwareabsturz oder auch für die Fahrbahnverhältnisse unzureichende Prozessorleistung beinhalten. Der in den Airbag Gefallene wird überall die Schuld suchen, nur nicht bei sich selber – obwohl jeder Fahrer eines alten Kadett ihm vormacht, daß man sehr wohl in derselben Situation auch heil durchkommen kann, wenn man nicht seine Fahrelektronik, sondern seine Geschwindigkeit der Situation anpaßt.

Aber das ist ja altmodisch. Willkommen in Schlabonskis Welt.

Erstellt am 05.11.1999. Letzte Änderung am 16.11.1999.

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