Mut zur Werbung

Nein, natürlich reicht es nicht, einen Film in einer seiner spannendsten (wenn auch zensierten und/oder geschnittenen) Szenen durch Werbung zu unterbrechen. Auch kann es nicht genügen, die hohl verpackten Kauf-mich-oder-Du-bist-doof-Phrasen über sich ergehen zu lassen, ohne sich davor und danach mit der minutenlangen Selbstbeweihräucherung des Senders in die dunklen Tiefen der eigenen Psyche zu katapultieren. Nein. Das Ganze läßt sich auch noch steigern.

Denn anscheinend haben die Sender nach 40 Jahren Fernsehterror erkannt, daß Werbung ejakulierende Harnaktivität auslösen kann. Am auffälligsten tritt dies bei diversen Sportübertragungen zu Tage. Aus diesem Grund versuchen die Sender, die von ihren Auftraggebern produzierte Scheiße als notwendiges Übel den Zuschauern schmackhaft zu machen, denn Werbung sei nun einmal der Garant für "kostenlose" und "abwechslungsreiche" Programmunterhaltung. Oh ja.

Da mögen deutsche Akte-X-Nachverfilumgen schon mal als kleiner dunkler Fleck über die ach so herrlichen Welt- oder doch zumindest Bielefeld-Premieren hinwegtäuschen, die dann solche Titel haben wie "Fußpilz - Ein Schlächter geht seinen Weg" oder die Fortsetzung zwei Tage später "Akne - Der Schlächter vom Oberwiesental kommt zurück, um sich ganz doll zu rächen!". Da hat die Abwechslung ihre Grenzen noch längst nicht erreicht.

Werden dann doch versehentlich gute Kinofilme gezeigt, so beweisen gerade Privatsender bei der Ausstrahlung und der Unterbrechung durch Werbung das Feingefühl eines verunglückten Tierversuchs samt Liveübertragung bei "Fliege". Selbstverständlich wird ein entscheidender Satz eines Protagonisten durch den Trailer des Senders unterbrochen, woselbst dann ein billiger Statist mit der geprobten Mimik eines Machos aus dem Vorschulkindergarten die schon je nach akutem Harndrang befürchtete oder ersehnte "Produktinformation" ankündigt.

Hat man dann zehn Minuten Werbung zwar ohne große geistige Schäden, dafür aber mit bleibenden solchen überstanden, möchte natürlich der Sender mit seinem drohenden Programm der nächsten Monate aufwarten. Unter solch einfallsreichen Arbeitstiteln wie "Äcktschn-Sommer", "Heißer Herbst", "Eiskalter Winter" oder "Schwuler Frühling" werden dem Zuschauer weitere zehn Minuten lang nicht nur dämliche Phrasen an den Kopf geworfen, sondern auch - welch Überaschung - noch dämlichere Sendungen angekündigt, die entweder als zweiundvierzigste Wiederholung eines hollywoodianischen "Top-Movies", als inhaltlich wie grammatikalisch fehlerbehafteter und semantisch haarsträubender Sprachbeitrag zur deutschen Fernsehkultur oder als drittklassige Billig-Spielfilm- oder -serienproduktion sich entpuppen.

Fast droht der Erstickungstod unter dem Sofakissen, das der leidene Zuschauer sich schützend über den Kopf gezogen hat, da geht der Film tatsächlich auch schon weiter. Aber oh, was ist das? Die Szene kommt mir unheilverheißend bekannt vor. Sind das nicht die letzten 10 Minuten, bevor die Werbung kam? Doch, sie sind es. Zum Glück haben die Leiter der Ausstrahlung ja ein Einsehen und schneiden dafür nach der nächsten Werbung eine Schlüsselszene mal eben weg, um mitten im folgenden Dialog wieder einzusteigen, wenn nicht gar der Einfachheit halber der Film während der Werbeunterbrechung schlicht weiterlaufen gelassen wurde, selbst wenn sein Ende in diese Zeitspanne fiel. Ganz toll.

Mancher Fernsehzuschauer legt zudem Wert auf den Abspann, der noch einmal zeigt, wer alles mitspielte (vor allen die versteckten Nebenrollen mit diesen Gesichtern, die dir schon immer so scheiße bekannt vorkamen, und jetzt wäre doch endlich mal die Gelegenheit, den dazugehörigen Namen herauszube... na logisch, wozu auch, grumpf) und wer für die Speschll Effäcktz zuständig war. Dem Kurzzeitgedächtnis der Zielgruppe angemessen, fällt der Abspann leider den Programmdirektoren zum Opfer, die die "nutzlos" verstreichende Zeit lieber dafür verwendet sehen, ihre bedeutsamen Ankündigungen ebenso bedeutsamer Sendungen, für die ja zuletzt vor kaum zehn Minuten geworben werden konnte, ins Volk zu strahlen.

Kostenlos ist dieser ganze Mist dann eh nicht mehr. Zum einen ist nicht zu erwarten, daß die GEZ ihre Geldforderungen bei dieser durch Werbung ermöglichten Programm-Einfalt der Privaten selbstverständlich einstellt, was ist denn schließlich mit dem Bildungsauftrag der Offenbar-Rechtlosen? Zum anderen verursachen Trailer, Werbung und kackfreche Beschneidung der VPS-Zeit nicht nur viele Wutausbrüche, sie fördern auch die übermäßige Benutzung von Pumpguns oder ersatzweise Toilettenspülungen. Das kann auf Dauer ziemlich teuer werden. Und ab dafür!

"Mein Name ist Dieter Schlabonski, und ich bin explosiv."

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