Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Mut zur Werbung, römisch zwo

"Sssör! Mmann übber Borrd, Sssör!"

Wir alle mußten das schon mit ansehen. Nur leider muß ich die Versicherungsgesellschaft, die diesen Spott verbrochen hat, jetzt und hier wirklich übel enttäuschen. Ihren Namen nämlich konnte ich mir trotz ehrlichen Versuchens beim besten Willen nicht merken, obwohl ich den Schwachsinn vor kaum 'ner Viertelstunde zuletzt gesehen hab. Ihr vielleicht?

Machen wir doch ma 'ne Umfrage zum Thema, schließlich ist das hier angeblich 'n interaktives Medium: JA oder NEIN? Danke. Ergebnisse demnächst hier.

Ich entschuldige mich für diese lästige Unterbrechung der Werbung. Zurück zum Thema.

Lieberrr Arralld. Gahnst du mirr nischt eetwaß von dir schiggen? Klar, Schnecke. Wie wär's mit 'ner leeren Bierflasche, deutsche Einheitsform, null-fünf? Die 15 Pfennig biste mir grad noch so wert. Muß ich wenigstens nicht so viel Leergut zum Netto-Markt schleppen nächstes Mal. Daaß att soo schöön gepriggelt in main Bauchnabell. Ganz ehrlich: Sex unter Zuhilfenahme von Lebensmitteln ist toll, aber ausgerechnet Bier? Grusel...

Ich leb mein Leben ganz spontan, wenn ich kann.

Oder die legendäre Magnum-Werbung. Nein, nicht "ich und mein Magnum", der feuchte Traum aller Ferrarifahreranbeterinnen, die andere, wo er mit der letzten Münze eben keine Packung Pariser zieht, sondern die kuvertüreverhüllte Handvoll gefrorenen Milchmischprodukts mit dem Tropenholzschwengel. Manchmal muß man eben Prioritäten setzen - Magnum wird durch AIDS erst schön. Komm, Ihr wollt mir doch nicht erzählen, er hätt sie danach nicht doch noch genagelt? Bleibt auf dem Teppich, Jungs.

Vom Teppich zu den Gardinen: "Waah! Ich bin der Gilb! Ich mache alle Gardinen grau und schmutzig, auch Ihre!" Nett von dir, lieber Gilb, da habbich wenigstens 'ne Ausrede: zu oft Werbung gekuckt, der Gilb ist dauernd zu Gast in meiner Hütte. Tja.

Immer wieder gern genommen sind auch Always und Konsorten. Die Geschichte der Menstruation ist schließlich eine Geschichte voller Mißverständnisse. Hier einige der wichtigsten:

Und die Konkurrenz? Auch nicht besser: o.b. nimmt die Regel dort auf, wo sie entsteht. In ihrer Faust?! So trägt die Werbung zur Volksverdummung bei.

Da kriegt die stärkste Waffel Gnubbel.

Weißt du, woran ich grade denke? Chicago. Da hatte ich mal... nein, nicht was du denkst, bloß ein Bier. Und zwar ein deutsches Dünnbier. Wow. Da krieg ich glatt 'ne Bindinghautentzündung. Check in to another world, wo sich Männer in der Kneipe über verflossene Biergenüsse unterhalten. Da wird mir so übel, daß ich 'ne Gesichtsfarbe krieg wie die Segel des Becks-Schiffs. Der Moment gehört mir! Blaaaak! Das darf doch alles nicht warstein. Aber wos wuist mochn, des is holt a Brauch * - tralala didippdei. Wie das Land, so das Jever: völlich bitter.

Am schönsten war aber, als mein Mann zu unserem Mäxchen sagte: "Du bist ja schon ein richtiger Bratmaxe!" Denn danach kam endlich was Anständiges auf den Grill statt der labberigen Würstchen. Bißchen knorpelig vielleicht, aber schön zart.

Mutti geht inzwischen was Schönes einkaufen. Sie weiß schon, was Vati gefällt. Also ab zur nächsten Boutique und mal eben einen Nissan Micra anprobiert, in Gelb steht er ihr ausgezeichnet. Schön, daß sogar der Hersteller einsieht, daß diese Nuckelpinne schon nächstes Jahr so interessant sein wird wie die Mode der letzten Saison - und vermutlich genauso viel wert.

Ich liebe was der Tag mir bringt, wenn's gelingt.

Betretenes Schweigen. "Aber Fußball... Fußball ist wirklich nicht mehr das, was es mal war." In der Tat. Frauen und Autos übrigens auch nicht - die einen gottseidank, die anderen leider. So ändert sich die Welt. Nur eins bleibt:

Das weißeste Weiß, seit es Ariel gibt. Schon 1763 war's absolut weiß, inzwischen ist es wohl, gemessen als Grauwert auf der HTML-Farbskala (#000000, #333333, #666666, #999999, #CCCCCC, #FFFFFF), schon mindestens bei #RRRRRR angelangt, wenn's nicht eh schon in imaginäre Bereiche abgedriftet ist. Sehen Sie mal, dieses T-Shirt. Blü-ten-weiß! Gut, vorher war's rotgestreift, aber mit Verlusten ist zu rechnen. Wichtiger ist ja auch, daß wir die Chemieabfälle jetzt nicht mehr einfach zu Pulver mahlen, sondern in kleine Kügelchen oder Tapps pressen, damit... äh... sie sich nicht mehr so gut auflösen? Nee, das war's nich... Moment... ich komm gleich drauf... tja, Sie müssen schon entschuldigen, denn:

Kalk zerstört (mein Gehirn und) Ihre Waschmaschine. Er zerstört die Isolierschicht (soso, ein isolierter Heizstab, nette Idee zur Effizienzvernichtung), es entsteht ein Kurzschluß (wenn ich mir das noch viel länger ankucken muß), und die Maschine ist (genauso) kaputt (wie ich). Darum neeehmen Sie, zu jedem Waschgang, bei jeder Wäsche, ...jaja, scho gut, mach ich. Aber mal ganz ehrlich: ein Waschmaschinenreparateur lebt davon, daß Waschmaschinen kaputt gehen. Das beworbene Produkt schützt angeblich die Maschine. Wieso erinnert mich der Mensch da immer an ein Schwein, das für den Metzger wirbt? Sicher nicht nur wegen der Optik.

Nichts zerlegt sich wie ein Citroën. (Sorry, Axel ;-)

Fast vermisse ich die Microsoft-Werbung von vor ca. einer Legislaturperiode: "Start me up, start me up, never stop." Jaja, mach ich, mehrfach jeden Tag. Where do you want to go today? Das ist von Tag zu Tag verschieden, aber ankommen will ich schon, nicht dauernd gegen blaue Wände laufen. Schade, daß die Werbeminute damals nicht gereicht hat, um den Song auszuspielen: "You make a grown man cry..."

Bis Microsoft mal wieder die Benutzeroberfläche neu erfindet, bleibt uns ja immerhin die Werbung für anderen Schrott, den man auf CD gepreßt vermarkten zu können glaubt. Sie könnten ins Extrem gehen, um den Rock der 80er Jahre wiederaufleben zu lassen - oder in den nächsten Plattenladen, wo's die Alben von damals allesamt zum nice price gibt, zweifelsohne eine lohnendere Investition als die Mega-Jokebox mit all den Titeln, die einem der NDR in seiner neuen Einfalt ohnehin täglich um die Ohren ballert. Für 25 Mark pro CD gibt's aber notfalls auch bessere Sampler, auch und gerade im Handel.

Halloischbindiemonaunnischliiiebeschokolaade, aberleischtmussieschmeckn, dasissganzwischtisch. Dann friß doch 'ne "Milch-Straße", da ist so viel Luft drin (rülps), die schwimmt sogar in Milch. Toll - ein Frachtschiff schwimmt auch auf Wasser, ist deswegen aber noch lange nicht besonders bekömmlich. Oder probier mal den Löwen unter den Riegeln: außen recht ansehnlich und innen matschig, wie sein Vorbild aus der Tierwelt.

Verdammt nah am Abgrund auch: Werbung für Dinge, die sich nur durch den Preis unterscheiden. Sind die so dämlich, oder halten sie uns dafür - wenn die dafür werben können, kassieren sie doch mehr als die, die's nicht tun, oder? Ob ich nun null Zehen hab oder drei, ob ich die Telephone People vorwähl oder mir ein E-minus-Telefönli kauf - das "Telefonerlebnis" hängt doch viel mehr davon ab, wen ich anruf. Also warum bitte machen die Werbung?

Und dann kommt der endgültige Tiefpunkt. Gleich mal die schlaue Vorvorwahl testen. Ich fühle deine Augen auf meinem Körper (herumkullern). Ich will es, nur von dir. Nein, dein Geld, du Dummerchen. Also, ruf an! Null null fünf, neun neun, sechs sechs, drei drei.

Keuch.

Und so endet ein weiterer Abend in Schlabonskis Welt.

 

Anmerkungen

Stellenweise geklaut von Heinz Rudolf Kunze, Stefan Raab und vermutlich auch von diversen anderen, die sich über's Thema schon ausgelassen haben. Die Pointe mit "Start me up" vs. "You make a grown man cry" hab ich zuerst bei Douglas Adams gelesen. Alle Warenzeichen sind und bleiben hoffentlich auch Eigentum ihrer jeweiligen Sprachvergewaltiger.

*) Mittlerweile habe ich aus offizieller Quelle in Erfahrung bringen müssen, daß der Text dieses weltbewegenden Meisterwerkes volkstümelnder Sangeskunst in Wahrheit wie folgt lautet: Des "Erdinger Weissbier" / des is hoid a Pracht / hollara-di-riad-dei-di-riad-dei / des schmeckt uns beim Tag / und bei der Nacht. Besser hätt ich's auch nicht sagen können.

Erstellt am 20.07.1999. Letzte Änderung am 14.09.1999.

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