Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Diehsain oder Nichtsein: BMW X5

Nun ist ja ein BMW-Geländewagen erstmal sowieso ein eher betroffen machender Gedanke. Man erinnere sich: BMW, das war mal eine Firma, wo man kleine, fetzige Flitzer gebaut hat, sowas wie einen 700 oder einen 2002 ti. Dann kamen fette Luxuslimousinen, Sportwagen mit Mittelmotor, Dieselkombis, Buggies mit Plastekarosserie und Kompaktwagen mit Schrägheck dazu. Und jetzt also ein Konkurrenzprodukt für die Jeep Cherokees und Nissan Pajeros dieser Welt?


Nicht wirklich. Nicht so.

Was uns da aus dem Bild entgegenquillt, ist zunächst mal ein ziemlich erschütterndes Geschwür auf Basis eines 5er-Touring. Vielleicht auch auf Basis eines 3er-Touring, okay, ja, kann ja eh keiner unterscheiden. Diesem bedauernswerten Fahrzeug ist passiert, was viele von uns erwartet, wenn wir mal älter werden: es ist fett geworden. Wie ein trauriger Rettungsring hängt eine Blechgeschwulst, beim X5 indes unter der Gürtellinie, als habe sich irgendwas Zähflüssiges, Glibberiges zwischen Blech und Lack gesammelt und werde nun von der Stoßleiste am Rausspritzen gehindert. Man ist versucht, reinzupieken und zu kucken, was da wohl raussickern wird.

Was diesem Bereich an Scharfkantigkeit abgeht, hat dafür die Frontansicht des traurigen Etwas' zuviel. Hier hat der Diehsainer (oder vielleicht doch eher die Putzfrau? Man weiß es nicht) einfach so lange irgendwelche Zubehörschpoiler vom 5er (oder vom 3er?) untereinandergedübelt, bis der standesgemäße Abstand zwischen Unterkante Auto und Oberkante Straße trotz der Höherlegung wiederhergestellt war – verdenkend, welchem Zweck das Gefährt eigentlich angeblich dienen sollte.

Angeblich deshalb, weil, auch wenn dieser sogenannte Geländewagen in den Tiefen seines selbsttragenden Aufbaus nicht viel mehr ist als ein hochgelegter allradgetriebener 5er-Kombi (oder vielleicht 3er-Kombi), ein Golf Country für Reiche sozusagen, doch auch dessen bescheidener Vortrieb selbst unter suboptimalen Traktionsbedingungen genügen sollte, um eine Böschung anzugehen, die diese zerklüftete Plastelandschaft, die die Stelle einer anständigen vorderen Stoßstange einnimmt, mit einem zärtlichen *karst* quittieren würde.

Theoretisch.

Praktisch besteht da sicherlich keine Gefahr. Für den Geländeeinsatz ist dieser Diehsainerkombi eh zu teuer und zu inkompetent, da werden wohl weiter eher Allradbullis und Subaru-Kombis gefahren werden von den paar Figuren, die sich wirklich mal Matsch in die Radkästen grubbern und die Kotflügel an Zweigen reiben. Für die Boulevards dieser Welt ist man mit dem X5 auf seinen 19-Zoll-Hochgeschwindigkeitsreifen nebst Alufelgen dagegen gut gerüstet, auch wenn seine Heckansicht eher den rustikalen Charme eines Escort Turnier mit Zusatzleuchtenblende und Dachspoiler aus dem Baumarkt-Zubehörregal vermittelt.


Denn seit dem Z3 aus gleichem Hause wissen wir ja, daß ein Automobil gar nicht paradox oder verwirrt genug aussehen kann, solange es zwei Nasenlöcher in der Haube und einen stilisierten Propeller im Markenzeichen trägt. Wenigstens hat der X5 'ne Dachreling, an der man dann den Haken des Krans einhängen kann, mit dem man die Karre in 12 Jahren in hohem Bogen auf den Schrott schmeißen wird, wenn die Elektronik spinnt und die Ersatzteile nicht mehr lieferbar sind.

Hoffentlich wird der Sprit aber bald mal so teuer, daß den auch bis dahin nicht jeder Geschmacksverwirrte kauft, sondern nur die reichen. Obwohl, andererseits, ob nu die Karre oder'n Terrano Turbodiesel, ist auch egal – brechreizerregend sind ja beide, und wer sowas kauft, für den kommt eh jede Hilfe zu spät.

Findet jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski


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Erstellt am 27.06.2000
Letzte Änderung am 20.07.2004 11:47 (CEST)
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