Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Das Leben in vollen Zügen

Noch gar nicht so lang ist's her, daß ich Gutes über den Deutschen Bus, äh, die Deutsche Bahn "ah geh!" schrieb. Nun widersprech ich mir zwar oft, aber an sich doch eher ungern - doch diese Woche...

Alles begann ganz harmlos: D.S. aus B. beschloß, eine Bahnreise zu unternehmen ins weit entfernte F. im B., und zwar am Montagmorgen um sechs. Wie es der heilige Hafas vorausgesagt hatte, fuhr just zu dieser Zeit ein EIS-Zug von B. gen M., von wo dann ein EuroCheque-Zug ihn weiter nach F. bringen könnte. Frohgemut trat D. die Reise an, sogar pünktlich - Kunststück, der EIS-Zug begann sein Tagwerk ja erst im nahen W.

Diese Pünklichkeit zu Beginn gehabt zu haben war indes nur die eine Seite der Medaille. Die andere, sie zu halten, war ziemlich rostig. Schon in F. am M. hatte der EIS-Zug eine Drittelstunde Verspätung, eine Zeit, die sich bis zu seiner Ankunft in M. noch knapp verdoppeln sollte. Der Grund, den die Doofe Bahn angab, nämlich "Unwetterschäden", mußte D. akzeptieren, obschon er ihn nicht nachzuvollziehen vermochte.

Der Anschluß-EC in M. hatte ebenfalls ein paar Handvoll Minuten Verspätung gehabt, nicht aber derer genug, um für D. nach Ankunft des EIS-Zuges noch erreichbar zu sein. Also gut, dachte er sich gewitzt, warte ich eben auf den nächsten, kommt ja 'ne Stunde später.

Kaum 40 Minuten nach Plan war der denn auch schon da und schaffte es, diese Verspätung noch auf mehr als eine Stunde auszubauen, alldieweil er mit für einen niederrangigen, komplett ausgefallenen Zug eingesprungen und darob an jeder größeren Milchkanne zu halten gezwungen war. Aber auch solches hat mal ein Ende.

Mit gut zwei Stunden Verspätung lustwandelte D.S. durch F. am B. und weidete sich am Gedanken, jetzt nach all den guten Erfahrungen mit der Dehback auch mal 'ne schlechte gemacht zu haben, und ihm dünkte, daß auch so was doch so schlimm gar nicht sei.

Bis zum folgenden Tag.

An diesem wollte D.S. nämlich nachts von F. im B. nach D. an der W. reisen, längs durchs schöne deutsche Land mithin, umsteigend in der Karnevalsstadt K. und der Hansestadt B. Zwanzig nach null sollte es losgehen. D. war gewissenhaft schon um zehn nach null am Bahnsteig und erblickte dort ein wohlbekanntes Zeichen: "Ca. 20 min später". Nun gut, dachte er, das sei ja praktisch, da könne man noch Proviant einkaufen, sich des Mittagessens entledigen etc. Gesägt, tun getan, wieder zurück auf den Bahnsteig getapert: volle vier Minuten nach Plan (also lang keine 20) war alles, was seine wunden Augen noch vom Zuge erblickten, die Schlußbeleuchtung des schnell beschleunigt werdenden letzten Wagens.

Der buchstäblich (nämlich am Kragen) "herangezogene" Bahnbedienstete murmelte was von "wohl doch schneller gewesen als wir dachten" und "Lautsprecheranlage defekt" und so, bot aber D. so quasi als Versöhnung an, im Wartehäuschen auf Bahnsteig 3 übernachten zu dürfen. Der nächste Zug gehe ja schon um 5:45.

Na toll.

Überflüssig zu erwähnen, daß trotz einsetzenden Nieselregens der Bahnsteig die bessere Alternative zum Wartehäuschen war, wegen dortigen Zigarettengestanks. Ebenso, daß man auf modernen Bahnsteigsitzgelegenheiten zwar sitzen, nicht aber schlafen kann, und daß alle paar dutzend Minuten ein durchfahrender Güterzug auch das Dösen effektiv vereitelte. D.S. fügte sich notgedrungen in sein Schicksal und bestieg um 5:45, gerädert wie nach einer langen Zugfahrt (obwohl diese noch vor ihm lag), den Integrierten-Schaltkreis-Zug nach einem anderen K., das zwar nicht wirklich am Weg nach B. lag, trotz dieses Umwegs aber an der nun schnellsten Verbindung dorthin.

Die Fahrt verlief zügig, planmäßig und immerhin so ereignislos, daß D. im Halbschlaf auftretender Probleme zumindest nicht gewahr wurde. Auch das Umsteigen in K. klappte unerwartet problemlos, und selbst der EuroCheque-Zug war pünklich. Nur leer - leer war er nicht. Und da D. gern mit seinem Läpptopp arbeiten wollen hätte, dessen Akku aber im Gegensatz zum Zug ziemlich leer war, suchte er nach einem Sitzplatz 2. Klasse mit Tisch und Steckdose. Solche gab's im Zug, volle acht Stück, nur leider waren sie alle besetzt von nicht der Steckdose Bedürftigen, die es trotzdem nicht für nötig hielten, darob einen anderen, steckdosenlosen Sitzplatz aufzusuchen... vermutlich wegen des Tischs, auf dem man ja FAZ und Coladose ablegen bzw. -stellen muß. Nagut, also nur noch den Akku leerschlürfen, produktiv arbeiten könne er wohl eh nicht mehr wirklich, so dachte unser Held und suchte nach einem anderen Tisch.

Einen solchen fand er auch zwei Wagen weiter in nicht umlagertem Zustand, allerdings ob des Alters des Wagens ohne Steckdose und leider im Raucher-Großraum. Was nicht weiter schlimm gewesen wäre, wären nicht ständig Raucher aus dem Nichtraucher-Großraum zum Rauchen herübergekommen. Erneute 35 Minuten Verspätung, sattes Kindergebrüll und genervte Menschen angesichts der wiederholten Ankündigungen, daß die Regionalbahnen zu ihren Zielorten leider nicht hatten warten können, verdichteten sich zu einer einzigartigen Atmosphäre, anhand derer D. hervorragend hätte die Psychologie des Menschen in Streßsituationen studieren können, wäre er nicht selbst so verdammt fertig gewesen.

In der Hansestadt B. beim erneuten Umsteigen in eine verranzte Regionalbahn dann noch infolge Müdigkeit auf der Treppe gestürzt (hmmm... warend? gewesen seiend?) und sich dabei den Fuß verstaucht habend, fiel D.S. aus B. gut dreizehn Stunden nach der eigentlichen Abreise am Ende eines langen Tages mehr als daß er wankte auf den D.er Bahnsteig und sah sich um.

Es war viertel vor zwei an einem wunderschönen Sommermittwoch. Die Sonne schien, die Autos hupten, quietschten mit den Reifen und stanken vor sich hin, die Menschen fluchten einander liebevoll an, und die Augenlider machten beim Zwinkern ein schabendes Geräusch auf D.s Augäpfeln. Geschlagen hinkte er von hinnen und verfaßte, zwanzig Stunden Schlaf später und schon wieder halbwegs auf dem Damm, diese Internett-Seite.

Und deren Fazit?

Selbst die Bahn hat manchmal solche Wochen. Schlabonskis Welt ist überall.

Erstellt am 09.07.1999. Letzte Änderung am 14.09.1999.

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