Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Zugabe!

Unglück kommt selten allein, so der Volksmund. Und erstaunlicherweise scheint er damit recht zu haben. Das hat man schon an der Unfallserie bei der Bahn letztens gesehen oder daran, daß auch Flugzeugabstürze, Lebensmittelskandale oder Massenkarambolagen, glaubt man den Nachrichtenredaktionen (zugegeben ein blauäugiges Verhalten), meist grüppchenweise auftreten.

Für die Medien ist das sicher nicht so toll, oder? "NOCH EIN ABSTURZ" klingt wenig spektakulär, wenn die Leserschaft schon am Vortage ihr Herz an den Bildern brennender Wrackteile laben konnte; die andererseits immer möglichen Artikel à la "Was ist los auf Deutschlands Straßen" können den entgangenen Nervenkitzel nicht ersetzen, der dann übernächste Woche fehlt, wenn wieder so gar nichts passieren will und man die an Armaturenbrettern zerschellten Prinzessinnen aus grauer Vorzeit wieder ausbuddeln muß.

Und trotzdem schlägt die Welt der WELT ein Schnippchen und gruppiert die Katastrophen immer schön nah aneinander: nicht nur ein Erdbeben in der Türkei, sondern zwei (und als Zugabe auch noch ein paar in Taiwan, man will ja nicht kleinlich sein); nicht nur ein zerbombtes Wohnhaus in Moskau, sondern drei; nicht nur eine versemmelte Wahl für die Sozis, sondern vier; nicht nur eine korrupte EU-Kommission, sondern anderthalb. Nicht nur Daimler-Chrysler, sondern auch Renault-Nissan; nicht nur Einstellung von Windows NT für Alpha, sondern auch Probleme mit Windows NT für IA64; nicht nur VW "Beetle", sondern auch Audi TT; nicht nur Rechtschreibdeform, sonden auch McDoof-Werbung (von wegen "the leckerste Frühstück in town", Pappfraß); nicht nur Aaaaah-crunch-Klasse, sondern auch umfallende Smarties. Nicht nur ein pannenbehafteter neuer Typ von Nahverkehrstriebwagen, sondern viele; nicht nur Eschede, sondern auch Transrapid. Nicht nur Waih-Tu-Käi, sondern auch Windows 2000. Und nicht zuletzt: nicht nur Schmidt, sondern auch Fliege, Feldbusch, Christen, ...

Was lehrt uns das?

Vielleicht, daß wir gerade nach einer Katastrophe nicht damit rechnen sollten, daß es wieder besser werde. Das Gegentum ist meist der Fall. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, daß Unglück weiteres Unglück nach sich zieht. Vielleicht hat das z.T. psychologische Gründe (wer mit Unglück rechnet, dem passiert's), vielleicht spielt der Nachahmungseffekt eine Rolle (vor allem bei Erdbeben). Wie dem auch sei: wenn's Dir dreckig geht, rechne damit, daß es schlimmer wird.

Und wem geht's schon gut?

Auch in ganz normalen Alltagssituationen greift das Prinzip: nicht nur eine Autopanne, sondern dann mit den schwarzen Pfoten und der fleckigen Hose der Angebeteten begegnen; nicht nur kein Geld, sondern auch ein leerer Tank; nicht nur zu früh kommen, sondern auch verschlafen, wenn sie geht - Situationen, die wir alle so oder ähnlich kennen...

Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, sacht mein Vadder immer. Nun ja. Es reicht schon lange nicht mehr nur bis zu den Knöcheln, aber immerhin: noch kann ich atmen.

Willkommen in Schlabonskis Welt.

Erstellt am 14.09.1999. Letzte Änderung am 22.09.1999.

Schlabonskis Welt:
Site Meter
Für Statistik auf den Counter klicken!